02.05.2017

Behaviour Based Safety: Sicher arbeiten oder gar nicht

Arbeiten ohne Betriebsunfälle – das ist das Ziel von InfraServ Knapsack. Mit einem Konzept, das das Verhalten aller Mitarbeiter in den Vordergrund stellt, kommt das Unternehmen diesem Ziel immer näher.


Bild: www.foto-fandler.de

Sicher arbeiten hat im Chemiepark Knapsack Tradition, Maßnahmen zum Arbeitsschutz sind schon seit den fünfziger Jahren etabliert. Vor einigen Jahren stagnierten die Unfallzahlen jedoch trotz der vielfältigen und umfassenden Aktivitäten. „Wir haben damals festgestellt, dass wir die Unfallzahlen mit unseren bestehenden Mitteln nicht weiter senken können und dass gleichzeitig die Motivation im Arbeitsschutz nachließ“, erklärt Dirk Froelich, Leiter Genehmigungsmanagement bei InfraServ Knapsack. Denn sobald Technik und Organisation im Arbeitsschutz weitestgehend optimiert sind, lassen sich Verbesserungen nur noch über verändertes Verhalten erreichen. Das zeigen auch die Statistiken von Berufsgenossenschaften und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie führen rund 85 Prozent aller Unfälle in Unternehmen auf das Verhalten zurück.

Neben einigen organisatorischen und systemtechnischen Veränderungen verfolgt InfraServ Knapsack daher seit 2014 einen Ansatz, der immer stärkere Verbreitung findet: Behaviour Based Safety (BBS) – verhaltensorientierter Arbeitsschutz. Das Konzept stellt das sicherheitsorientierte Verhalten jedes Einzelnen in den Mittelpunkt, ganz gleich welche Aufgabe er im Unternehmen innehat. „Im Fokus stand dabei das Ziel, nicht noch mehr Vorgaben zu schaffen, sondern das Thema „sicheres Arbeiten“ in den Köpfen und Herzen aller Beschäftigten zu verankern“, sagt Christine Ganss aus dem Team Arbeitsschutz von InfraServ Knapsack.

Um den neuen Ansatz im Unternehmen zu verankern, suchte InfraServ Knapsack Kontakt zum Beratungsunternehmen HRP Heinze Consultants und startete nach intensiven Vorbereitungen Mitte 2015 mit dem HRP Heinze Prozess, der auf eine Einstellungs- und Verhaltensänderung durch verstärktes Bewusstsein und Kommunikation setzt. Dabei definieren Vertreter aller Hierarchieebenen zunächst gemeinsam das gewünschte Ziel-Verhalten, beobachten im Anschluss das Verhalten in der Realität, bauen Kompetenz auf und geben Feedback. Weitere Aspekte sind das Setzen von Arbeitsschutzzielen und die positive Verstärkung von sicherheitsorientierten Verhaltensweisen. „Im verhaltensorientierten Arbeitsschutz übernimmt jeder Mitarbeiter für sich und seine Kollegen Verantwortung“, so Ganss. „Dabei ist es besonders wichtig, dass wir jeden Einzelnen auch auf emotionaler Ebene erreichen.“ Um BBS zu etablieren, passten die Arbeitsschutzexperten deshalb den Prozess auf die Erfordernisse bei InfraServ Knapsack an, sorgten sie unter anderem für eine frühzeitige Schulung aller Multiplikatoren, integrierten die Auszubildenden und entwickelten das Kommunikationskonzept „Wir – selbstverständlich sicher“ mit Paulieneplus. Pauliene und früher Paulinchen sind bereits seit vielen Jahren ein Symbol für den Arbeitsschutz im Chemiepark. Seit 2016 laufen nun die Schulungen, die bis 2018 jeder Mitarbeiter durchlaufen haben soll.

„Auch wenn ein Bewusstseinswandel viel Zeit und Überzeugungskraft benötigt, der Aufwand lohnt sich“, weiß Froelich. Dies zeigte auch eine Veranstaltung zum Thema Anfang März im Feierabendhaus, während der InfraServ Knapsack über seine Erfahrungen berichtete. Die zentrale Botschaft: Sicherheit geht immer vor Wirtschaftlichkeit. Weil gerade bei Zeitdruck oder dringenden Kundenanfragen immer die Gefahr besteht, dass Sicherheitsaspekte in den Hintergrund geraten, gilt bei InfraServ Knapsack das Credo “entweder sicher oder gar nicht“.

Das Konzept zeigt Wirkung. Seit der Umsetzung von Paulieneplus verzeichnet InfraServ Knapsack trotz jährlicher Schwankungen stetig weiter sinkende Unfallzahlen. Arbeiten ohne Betriebsunfälle könnte daher bald Realität werden.